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Die Vorsitzende Hanna Schröder klärt auf
In Zeiten von ChatGPT und anderen KI-Tools glauben viele Menschen, rechtliche Fragen auch ohne Anwältin oder Anwalt lösen zu können. Warum das häufig ein Trugschluss ist, erklärt Hanna Martje Schröder, 1. Vorsitzende des Anwaltvereins Offenburg. Denn Anwältinnen und Anwälte können nicht nur mehr aus einem Verfahren herausholen, sondern bereits im Vorfeld helfen, unnötige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.
Im Laufe des Lebens haben die meisten Menschen mit zahlreichen rechtlichen Herausforderungen zu tun. Vom Hauskauf bis zur Scheidung, vom Verkehrsunfall bis
zum Nachbarschaftsstreit reicht das Spektrum. Eine anwaltliche Beratung kann dabei helfen, Stolperfallen zu vermeiden. Auch bei der vorsorgenden Rechtsberatung, etwa
zu Vorsorgevollmacht oder Testament, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. „Sich bei einer rechtlichen Auseinandersetzung anwaltliche Beratung zu suchen, ist immer eine gute Idee“, meint Rechtsanwältin Hanna Martje Schröder. Gleichzeitig müsse ein Anwalt nicht immer beauftragt werden: „Ich habe Mandanten auch schon
die Rechtslage erklärt und dann gesagt: Ich glaube, das schaffen Sie allein, dafür brauchen Sie keinen Anwalt. Aber die Mandanten wussten dann, wie sie vorgehen
und auf was sie achten müssen.“
Fachliche Expertise und Augenhöhe
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte verfügen über fundiertes juristisches Knowhow und praktische Erfahrung. Sie haben dasselbe mehrjährige Studium wie Richter und Notare absolviert und sind verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Für Fachanwälte gelten darüber hinaus besondere Anforderungen an die fachliche Qualifikation. Ohne regelmäßige Fortbildung im Fachgebiet müssen sie den Titel wieder abgeben.
Eine wichtige Aufgabe der Anwaltschaft besteht darin, juristische Inhalte so zu vermitteln, dass Mandantinnen und Mandanten die rechtliche Situation verstehen.
Doch gerade hier scheint künstliche Intelligenz eine vermeintlich einfache Alternative zu bieten. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher gehen davon aus, ihre juristischen Fragen mit wenigen Eingaben schneller und günstiger beantworten lassen zu können. Ein Schreiben an die Gegenseite oder einen Schriftsatz von einer KI erstellen zu
lassen oder eine juristische Frage zu googeln, ist schnell gemacht. Doch die Ergebnisse sind nicht zwangsläufig korrekt. Fachwissen ist zwar greifbarer denn je, gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Laien ihre eigenen Kenntnisse überschätzen.
„Natürlich habe ich es auch selbst schon ausprobiert und verschiedenen KIs Rechtsfragen gestellt. Die Antworten sind leider oft falsch, und ich würde es einem juristischen Laien nicht empfehlen, sich darauf zu verlassen“, sagt Schröder. Besonders problematisch sei die Quellenprüfung. „Es kann zum Beispiel vorkommen, dass die KI sich ausländischer Rechtstexte bedient, Informationen von veralteten Webseiten zieht oder einfach halluziniert.“ Bei einer Testfrage habe sie die KI darauf hingewiesen, dass die Antwort gar nicht in dem von ihr genanntenParagraphen stehe, sondern das Gegenteil. „Die KI hat mir dann auch zugestimmt und sich sogar entschuldigt – nur um dann im zweiten Versuch die gleiche falsche
Antwort zu geben.“ Fehler dieser Art seien nicht nur bei allgemeinen KI-Anwendungen zu finden. Auch bei spezieller juristischer KI könne es vorkommen, dass Quellen falsch zugeordnet würden. So sei in einer Antwort der Bundesgerichtshof wörtlich zitiert worden. Das vermeintliche Zitat stammte jedoch aus einem Buch und war im genannten Urteil gar
nicht zu finden.
Andererseits kann KI natürlich eine gute Arbeitshilfe für den Anwalt oder die Anwältin sein, sowohl beim Formulieren von Texten als auch bei der Recherche, und dadurch Arbeitsabläufe beschleunigen. Aufgrund seines Fachwissens kann der Anwalt der KI jedoch ganz andere Arbeitsanweisungen geben und andere Prompts formulieren als
ein juristischer Laie. Zudem trägt der Anwalt die Verantwortung für die von ihm verwendeten Ergebnisse und haftet gegenüber dem Mandanten entsprechend für
Fehler. KI ist daher eine gute Ergänzung der anwaltlichen Expertise, ersetzt diese jedoch nicht. Das Problem beginnt oft beim Sachverhalt Inzwischen haben wohl viele Anwältinnen und Anwälte auch Mandanten, die mit einer KI-Antwort in die Kanzlei kommen. „In der Praxis besteht da oft das Problem, dass Laien nicht wissen, worauf es rechtlich ankommt, und der KI den Sachverhalt unbewusst unvollständig schildern“, erklärt Schröder. Dabei könne bereits die Darstellung des Sachverhalts entscheidend sein. „Es macht juristisch unter Umständen einen großen Unterschied, wie ich den Sachverhalt darstelle. Das ist ein wichtiger Teil unserer juristischen Arbeit und Ausbildung: Aus der Schilderung eines Laien herauszuarbeiten, was aus juristischer Sicht relevant ist, und dann die Gesetze darauf anzuwenden.“
Natürlich liege eine KI auch einmal richtig. „Aber wenn ich mich im Kollegenkreis umhöre, gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Privatpersonen ohne anwaltliche
Unterstützung vor Gericht seitenlange KI-Ausführungen eingereicht hätten, zu denen der Richter nur sagte ‚Das geht leider hier total am entscheidenden Punkt vorbei.‘“
Für Nicht-Juristinnen und Nicht-Juristen sei es zudem leicht, grundlegende Aspekte zu übersehen, eine Frist zu versäumen oder wichtige Dokumente nicht rechtzeitig
einzureichen. Unter Umständen lassen sich solche Fehler später nicht mehr korrigieren. Anwaltliche Vertretung könne deshalb Augenhöhe schaffen – sowohl gegenüber der
Gegenseite als auch gegenüber dem Gericht. Anwältinnen und Anwälte wüssten, worauf es rechtlich ankommt und welche Informationen tatsächlich vorgetragen
werden müssen. Auch für Gerichte sei eine konzentrierte Darstellung hilfreich, anstatt sich durch seitenlange Ausführungen arbeiten zu müssen, die am
entscheidenden Punkt vorbeigehen.
Auch mit dem eigenen Mandant muss man hin und wieder über das Thema sprechen. Natürlich nimmt man auch als Anwalt gerne mal einen Hinweis an,
vielleicht hat die KI ja eine gute Idee und viele Kanzleien beginnen inzwischen auch juristische KI zu nutzen. Aber wenn man lange KI -Schreiben vom Mandanten
bekommt, die man dann umarbeiten und ans Gericht schicken soll, kann das die Arbeit nicht nur erleichtern, sondern auch erschweren. Denn wenn der Anwalt oder
die Anwältin die Ausführungen zunächst umfangreich prüfen und dem Mandanten dann erklären muss, warum die KI-Auffassung nicht richtig ist, führt das nicht nur zu
mehr Arbeit, sondern unter Umständen auch zu mehr Kosten.
Statt zum Anwalt zur Versicherung?
Auch bei einem Schadensfall sollte man sich nicht allein auf die gegnerische Versicherung verlassen. Diese hat eigene wirtschaftliche Interessen und ist nicht
verpflichtet, Betroffene umfassend über sämtliche möglichen Ansprüche aufzuklären. Die Anwaltschaft berät dagegen unabhängig und orientiert sich an den Interessen
der Mandantschaft.
Was kostet ein Anwalt denn wirklich?
Die Kosten einer anwaltlichen Beratung werden nach Einschätzung von Schröder häufig überschätzt. Eine mündliche Erstberatung darf für Verbraucherinnen und
Verbraucher grundsätzlich höchstens 190 Euro zuzüglich Postpauschale und Mehrwertsteuer, also 249,90 €, kosten. Es lohnt sich außerdem, frühzeitig zu fragen, welche weiteren Kosten für eine anwaltliche Vertretung entstehen können. Das kann der Anwalt meist nach der Erstberatung einschätzen.
Wer rechtlichen Rat benötigt, sollte sich deshalb direkt an Fachleute wenden. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in der Nähe finden sich beispielsweise über
www.anwaltauskunft.de.
Und was sagt ChatGPT dazu?
Wir haben ChatGPT gefragt, warum juristische Antworten von KI so häufig falsch sind:
• KI erzeugt plausible Sprache, nicht automatisch geltendes Recht.
• Recht ist stark vom konkreten Sachverhalt abhängig. Schon kleine
Änderungen bei dem eingegebenen Sachverhalt können zu einer völlig
anderen rechtlichen Bewertung führen.
• Das Recht verändert sich. Gesetze werden geändert und Gerichte
entwickeln ihre Rechtsprechung weiter. Was gestern richtig war, muss heute
nicht mehr gelten.
• Halluzinationen sind besonders problematisch. Eine KI kann
beispielsweise einen falschen Paragraphen nennen. Die Antwort klingt konkret
und überzeugend, ist aber dennoch falsch.• Rechtsnormen zu kennen, ist nicht dasselbe, wie sie richtig
anzuwenden. Juristische Arbeit verlangt das Erkennen des Problems, die
Auswahl der relevanten Vorschriften, deren Auslegung und die Subsumtion.
• Ausnahmen und Gegenausnahmen erschweren die Bewertung. Eine KI
erkennt möglicherweise die allgemeine Regel, übersieht aber eine spezielle
Vorschrift.
• Mehrere Rechtsgebiete können ineinandergreifen. Ein scheinbar einfacher
Fall kann gleichzeitig Fragen aus verschiedenen Rechtsgebieten aufwerfen.
Besonders wichtig ist deshalb: Die sprachliche Sicherheit einer KI sagt wenig über
die juristische Sicherheit ihrer Antwort aus. Eine KI kann eine falsche Lösung
genauso selbstsicher und flüssig vortragen wie eine richtige.
Sie ist häufig sehr gut darin, eine juristische Lösung zu formulieren – aber deutlich
weniger zuverlässig darin, sicherzustellen, dass es tatsächlich die richtige Lösung ist.
In diesem Punkt sind sich ChatGPT und der Anwaltverein Offenburg also
durchaus einig.
Sie suchen eine Anwältin oder einen Anwalt?
Sie sind Anwältin oder Anwalt?
Der AnwaltVerein Offenburg ist ein starker Partner für beide.
Mit seinen fast 200 Mitgliedern ist der AnwaltVerein Offenburg Ihr Ansprechpartner in Sachen Anwalt und Recht im Bezirk des Landgerichts Offenburg.
Wenn es eilt: Anwaltsnotdienst in Strafsachen +49 7851/6472539 (Infos hier)
Du bist max. 20 Jahre alt und hast ein rechtliches Problem? Komm zum HAUS DES JUGENDRECHTS (Infos hier)
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